Wie man den Lebenslauf zum Laufen bringt

Wie man den Lebenslauf zum Laufen bringt

Als Recruiter sehe ich jeden Tag eine Menge Lebensläufe. Es gibt solche, die mir sofort ins Auge springen und es gibt solche, die mich eher irritiert zurücklassen und natürlich alles dazwischen. Für mich als Personal-Experte macht der sog. Curriculum vitae auf jeden Fall den Unterschied bei einer Bewerbung. Ein guter Lebenslauf gibt mir Aufschluss darüber, welche Erfahrungen eine Person für eine bestimmte Position mitbringt und vermittelt einen ersten Eindruck von der Persönlichkeit. Im besten Fall macht mir ein Lebenslauf Lust die Person dahinter kennenzulernen. 

Was braucht es also, um mit dem Lebenslauf bei einem Recruiter (eines Unternehmens in Deutschland) glänzen zu können?

Unterschrift – Persönlichkeit zeigen

Fangen wir mit dem Ende an: Soll ein Lebenslauf unterschrieben sein?

Meine Antwort ist kurz und knapp: ja! Mit einer Unterschrift garantieren Sie nicht nur die Richtigkeit Ihrer Angaben, sondern geben Ihrem Lebenslauf auch eine persönliche Note. Je mehr Individualität sie zulassen, desto besser kann der Personaler einschätzen, ob Sie mit Ihrer Person und Ihren Fähigkeiten zum gesuchten Stellenprofil passen.

Eine Frage der Länge - die perfekte Seitenzahl

Oft kommt die Frage auf, wie viele Seiten ein Lebenslauf haben soll. Essentiell ist, dass die beruflichen Stationen umgekehrt chronologisch - beginnend mit der aktuellen Tätigkeit - wiedergegeben werden. Es kommt nicht darauf an, alles in einem Lebenslauf zu sagen, die gesamten EDV-Kenntnisse aufzuzählen oder jedes Praktikum aufzulisten, sondern gezielt die für die geforderte Aufgabe relevante Berufserfahrung deutlich zu machen. Also haben Sie Mut zum Ausmisten!

Bei weniger Stationen im Lebenslauf empfehle ich, die wichtigsten Dinge auf einer DINA4-Seite zusammenzufassen; bei langjähriger Berufserfahrung sollte das Wesentliche auf zwei Seiten Platz finden.

Mehr Foto für mehr Format!

Die Zeiten stehen schlecht für Bewerbungsfotos in Lebensläufen. Aus den USA kommt der Trend das Bild bei einer Bewerbung wegzulassen, damit der Personalentscheider des Unternehmens daraus weder Sympathie noch Antipathie zieht, sondern allein auf die Qualifikationen eines Bewerbers achtet. Ich halte das für einen wichtigen Ansatz, jedoch stellt sich spätestens beim Vorstellungsgespräch heraus, ob der Bewerber mit seiner Persönlichkeit in das Team und zum Unternehmen passt.

Warum also nicht schon vorher mit einem professionellen Bild Persönlichkeit zeigen? In einem Bewerbungsfoto liegen nämlich auch Stärken, die man für sich nutzen kann. Ein Bild bekommt, bei all den Buchstaben eines Lebenslaufes, immer volle Aufmerksamkeit. Es ist also ein Medium, in dem ich etwas von mir mitteilen kann. Ich empfehle - nicht nur allen Kameramuffeln - etwas Geld in die Hand zu nehmen und ein wirklich professionelles Bild von sich machen zu lassen, mit dem man sich wohl fühlt.

Ein schönes Bild darf meines Erachtens dann auch einen prominenten Platz einnehmen, zum Beispiel auf der Cover-Seite zum Lebenslauf. Kleine, schüchterne Passfotos in der rechten oberen Ecke entfalten sich selten zu Hinguckern. Also Mut zum Format!


"Scharf schießen" mit Bulletpoints

Ein Lebenslauf ist nicht nur eine Auflistung Ihres bisherigen Lebens, es ist Ihre Möglichkeit den Personaler von Ihren Qualifikationen und Ihrer Person zu überzeugen; schon lange vor dem ersten Interview.

Legen Sie Ihre Asse auf den Tisch! Platzieren Sie zu Beginn des Lebenslaufes, nach der Nennung Ihrer persönlichen Daten, in 4 bis 5 Stichpunkten diejenigen Fähigkeiten, die Sie für den Job qualifizieren.

Nicht jeder Recruiter ist Nerd in dem beruflichen Feld, in dem Sie Experte sind. Erleichtern Sie also dem Personaler durch die Auflistung Ihrer Top-Fähigkeiten eine Einschätzung, ob Ihre Erfahrungen zum Stellenprofil passen und zeigen ihm, dass Sie sich mit der Stelle auseinandergesetzt haben.
Falls Sie Ihrer Bewerbung ein Anschreiben beifügen, sollten die dort verwendeten Argumente auch Ihre Topfähigkeiten im Lebenslauf sein.
Geben Sie mit den Bulletpoints eine präzise Antwort auf die Frage: Inwiefern sind Sie der geeignete Kandidat, auf den das Unternehmen gewartet hat?

Insgesamt ist mein Tipp für die Erstellung des Lebenslaufes: Geben Sie sich Mühe mit Gliederung und Grafik Ihres Lebenslaufes. Seien Sie situativ, selbstbewusst und strukturiert! Je mehr Sie von sich erzählen, desto besser kann sich Ihr Gegenüber ein erstes Bild machen. Nutzen Sie die Chance mit Ihrem Lebenslauf bereits den ersten Fuß in die Unternehmenstür zu bekommen.